Profil
In der Medizin bezeichnet das neuronale Netzwerk das funktionierende Zusammenspiel unzähliger Nervenzellen. Die Stiftung Neuronales Netzwerk – Deutsche Stiftung für Menschen mit erworbenen Hirnschäden – wurde 2008 in Berlin gegründet. Sie hat das Ziel, sich am Aufbau eines leistungsfähigen und bedarfsgerechten Versorgungsnetzes für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zu beteiligen. Hierzu fördert sie die öffentliche Diskussion und Aufklärung.
Gegründet wurde sie von dem gemeinnützigen Dienstleistungsunternehmen RC Partner für Reintegration und Chancengleichheit e.V. Seit 2003 bietet der Unternehmensbereich RC reweca gGmbH spezielle kostenlose Beratungsdienste für diese Patientengruppe an und baut hierzu ein wachsendes Netzwerk von Ärzten, Psychologen, Therapeuten, Sozialrechtlern und anderen in diesem Bereich aktiven Dienstleistern auf. Es sind die alltäglichen Erfahrungen mit dieser Klientengruppe wie auch zahlreiche Gespräche innerhalb des fachlichen Netzwerks, die RC dazu veranlasst haben, sich auch gesellschaftspolitisch für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen einzusetzen und die Stiftung Neuronales Netzwerk zu gründen. [nach oben]
Problem
In Deutschland ist die akut medizinische Versorgung von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen meist sehr gut. Aus Sicht der Neuromedizin besteht bei erworbenen Hirnschädigungen grundsätzlich auch ein langfristiges Rehabilitationspotential. Viele Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen leben jedoch ohne spezifische, auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Förderung fehlplaziert in Alten- und Pflegeheimen oder Heimen für Menschen mit geistiger Behinderung. Denn spätestens nach einer anschließenden Rehabilitation sind die Nachsorgeangebote für diejenigen, die noch deutliche Beeinträchtigungen zurückbehalten, unzureichend.
Dringend nötig sind spezialisierte Angebote in allen Bereichen ambulanter medizinischer, beruflicher und sozialer Rehabilitation: Unter anderem fehlen individuell angepasste Wohn- und Betreuungs-, Arbeits- und Beschäftigungsangebote sowie Beratungs- und Anlaufstellen in vielen Regionen Deutschlands.
Ziel aller Maßnahmen muss immer sein, das Recht der Betroffenen auf eine weitgehend selbstbestimmte Lebensführung und die gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten. [nach oben]
Folgende Themen sind das besondere Anliegen der Stiftung Neuronales Netzwerk:
Wir schaffen öffentliche Aufmerksamkeit für die Probleme in der aktuellen Versorgungssituation von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen.
Förderung der Vernetzung und des Dialogs zwischen der Fachöffentlichkeit und den Betroffenen sowie ihren Angehörigen, um nachhaltige Lösungswege zu initiieren.
Unterstützung des Aufbaus eines bedarfsgerechten Versorgungssystems. [nach oben]
Projekte
Die Stiftung Neuronales Netzwerk ist eine operative Stiftung; die Projektarbeit bildet daher den Schwerpunkt unserer Tätigkeit. Die Projekte dienen dem Stiftungszweck, das Thema der unzureichenden Versorgung von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen in die öffentliche Diskussion zu bringen und Kommunikationsforen anzubieten.
Lesen sie mehr über unsere Projekte:
Was sind erworbene Hirnschädigungen?
Die Bezeichnung erworbene Hirnschädigung bezieht sich auf Schädigungen des Gehirns, die im Laufe des Lebens eintreten. Durch ein meist plötzliches Schädigungsereignis werden vorher vorhandene Fähig- und Fertigkeiten sowie das individuelle (prämorbide) Entwicklungspotential beeinträchtigt und die bisherige Biographie der Betroffenen z. T. einschneidend unterbrochen.
Erworbene Hirnschädigungen können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns verursacht werden. Zu den möglichen Ursachen zählen:
- Zerebrale Gefäßerkrankungen (Schlaganfall / Hirnblutung),
- Schädel-Hirn-Traumata,
- Zerebrale Hypoxie (Schädigung durch akuten Schauerstoffmangel im Gehirn, z.B. bei Herz-Kreislauf-Stillstand),
- Metabolisch-toxische Schädigungen des Gehirns (Vergiftungen),
- Entzündliche Erkrankungen des Gehirns (Meningitis, Enzephalitis, Abszess),
- Hirntumore,
- chronisch progredient verlaufende, neurodegenerative Erkrankungen (wie Chorea Huntington, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Demenzen).
In Abhängigkeit vom Ausmaß und von der Lokalisation der Hirnschädigung können u.a. folgende Funktionsbeeinträchtigungen auftreten:
- Störungen der Sprache und Kommunikation (z.B. Aphasie, Dysarthrie, Apraxie)
- Motorische und sensorische Funktionsstörungen (z.B. Hemiparese, Ataxie, Schluckstörung, chronische Schmerzen)
- Kognitive Funktionsstörungen (z.B. Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Störungen exekutiver Funktionen)
- Emotionale und motivationale Funktionsbeeinträchtigungen (z.B. Antriebsstörung, verminderte Belastbarkeit, erhöhte Reizbarkeit, Depressivität)
- Hirnorganisch bedingte Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen
- Fehlende Krankheitseinsicht /awarenes
Diese funktionellen Einschränkungen können die Betroffenen in ihrer Alltagsbewältigung, Berufskompetenz und sozialen Teilhabe vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigen. [nach oben]
© Neuronales Netzwerk – Deutsche Stiftung für Menschen mit erworbenen Hirnschäden, 2009