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Schlaganfall-Vorsorge in der Nachsorge für einen zufriedenen Alltag

28.12.2018 · 17:04

geschrieben von: Meike Hörnke - E-Mail

Gerade der Alltag mit Schlaganfall kann zu weiteren Krankheiten führen.
Wie sich diese vermeiden lassen, zeigt der folgende Artikel einer Betroffenen.

München, den 18.12.2018, in Deutschland erleiden pro Jahr ca. 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Fast 15 % von Ihnen sind noch unter 50 Jahren. Über die körperlichen Folgen, die ein Schlaganfall mit sich bringt, ist viel bekannt, doch über die enormen Herausforderungen im Alltag, den seelischen Folgen und psychischen Belastungen nach diesem lebenseinschneidenden Ereignis, sowohl für Betroffene, als auch Angehörige, wird nur selten gesprochen.  

Meike Hörnke machte diese Erfahrung am eigenen Leib, als die damals 40-jährige Geschäftsfrau unverhofft einen Schlaganfall erlitt, trotz ihrer guten körperlichen Verfassung ohne Risiko-Faktoren. Die körperlichen Einschränkungen verringerten sich innerhalb eines Jahres, doch im Alltag war nichts mehr wie zuvor. Schon nach kurzer Zeit litt sie an unsichtbaren Einschränkungen, die sich durch Überforderungsgefühle, Angst vor einem erneuten Schlaganfall bis hin zur Post-Stroke-Depression ausweiteten. Erst Jahre später schaffte sie es mit fachlicher Unterstützung, die Krankheit so zu besiegen, dass der Alltag wieder lebenswert wurde.

Meike Hörnke arbeitet heute, 9 Jahre später als Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie und Trauma-Therapeutin. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade in der Nachsorge im Alltag anderen Betroffenen und Angehörigen zur Seite zu stehen. „Mich hat damals keiner auf den Alltag vorbereitet. Die Herausforderungen, denen man sich auch nach der körperlichen Genesung gegenübersieht, sind überwältigend. Gleichzeitig schämen sich viele für Ihre Gefühle und die Inanspruchnahme von psychischer Unterstützung ist für einige ein harter Schritt“. Verschriebene Antidepressiva, denn ca. 1/3 aller Betroffenen erleiden eine sogenannte Post-Stroke-Depression, bekämpfen nicht die Ursachen der Gefühle und daher haben viele Klienten bereits einen längeren Leidensweg hinter sich, wenn sie zur Frau Hörnke finden.  Ein Schlaganfall stellt nicht nur das eigene Leben auf den Kopf, sondern wirkt sich auf das gesamte private, berufliche und soziale Umfeld aus. Auch Freunde, Familie und Arbeitgeber sind oftmals überfordert und müssen sich erst einmal mit der Krankheit auseinandersetzen, erklärt sie.

In Rehabilitationskliniken, wo Betroffene nach dem Krankenhausaufenthalt weitere Therapien zum Rückgang der körperlichen Symptome erfahren, klärt Meike Hörnke mit einem eigens entwickelten Vortrag über die psychischen Gefahren im Alltag und den richtigen Umgang mit der Krankheit auf. Hierbei bezieht sie auch die Angehörigen mit ein, denn gerade diese Gefahren werden zu wenig thematisiert und können doch immense Folgen auf das Leben haben, bis hin zu Trennungen. Rund 70 % aller Beziehungen halten solchen Belastungen nicht stand.

Gerade akute belastende Ereignisse, wie eine plötzliche Erkrankungen, Tod, Arbeitsplatzverlust oder Trennungen, können seelische Belastungen bis hin zum Trauma durch das intensive und unvorhergesehene Erleben, verursachen.

Meike Hörnke, der ICD10 listet die Posttraumatische Belastungsstörung auf. Doch ich bin der Meinung, dass ein grundsätzlich nicht verarbeiteter Verlust eine große Rolle im weiteren Umgang mit Ereignissen spielt. In meiner Arbeit gehe ich davon aus, dass jede Wunde versorgt werden möchte. Entweder erledigen dies die Selbstheilungskräfte des Menschen und die Wunde schließt sich (seelische Verletzung) oder sie bleibt offen, entzündet sich und muss unterstützend versorgt werden (Trauma). Ob sich eine seelische Verletzung zu einem Trauma entwickelt, liegt an der jeweiligen individuellen Resilienz Fähigkeit des Menschen. Hierbei spielen Vorerfahrungen, Kompensationsmöglichkeiten, Anpassungsfähigkeit und Intensität des Traumas, sowie die zeitliche Konfrontation mit dem Ereignis eine Rolle. Wird z.B. die zulässige Belastungsgrenze, wie bei einer Brücke, überschritten, bricht diese zusammen. Ebenso verhält es sich mit den Menschen, deren Symptome dann bis hin zur Post-Stroke-Depression im Falle des Schlaganfalls führen können. 

Die menschliche Reaktion auf traumatische Ereignisse lässt sich einheitlich 5 Phasen, die ursprünglich von Elisabeth Kübler-Ross in ihrer Arbeit mit Sterbenden beschrieben wurden, einteilen und gelten auch für den generellen Prozess im Umgang mit Krisen.  Vielen Menschen fällt es schwer, das Ereignis anzunehmen, um so es so zu akzeptieren und letztendlich mit all seinen körperlichen und psychischen Folgen ins neue Leben zu integrieren. Der Prozess bedingt eine mutige Auseinandersetzung mit sich selbst, der Krankheitsverarbeitung, den neuen körperlichen und mentalen Grenzen, um dann alternative Wege für mögliche Lösungen zu finden, die zu einem vorab definierten erstrebenswerten Ziel führen und somit dem Leben einen Sinn geben.

Bei einem nicht verarbeiteten Trauma bleibt ein belastendes Gefühl, welches in eine Handlungsunfähigkeit mündet, die man dann in sein weiteres Leben übernimmt. Erscheinen im Alltag ähnliche Situationen, springen unbewusste Vermeidungsschubladen auf. Nicht immer sind den Menschen die auslösenden Ereignisse für fälschliche Verhaltensweisen oder Glaubensmuster bewusst. Und so spielt selbstverständlich auch das Leben vor dem einschneidenden Ereignis eine wichtige und wegweisende Rolle im positiven Umgang.

In meiner Arbeit habe ich gelernt, auf besondere Art und Weise Zugang zu den auslösenden Situationen zu finden. Dieser „Anblick“ ist notwendig, um eine veränderte Sichtweise zu bewirken, denn im Gefühl werden spezielle Elemente aus der Traumatherapie mit der Trauerarbeit kombiniert, die sowohl Heilung als auch die Handlungsfähigkeit zurückbringen.  Denn ein nicht verarbeiteter Verlust ist ursächlich für viele psychische Erkrankungen.

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