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Kommunikation mit Hilfe eines Sprachcomputers

25.10.2017 · 10:49

geschrieben von: Mitarbeiter RC e.V. - E-Mail

Eine Sprachbarriere ist ein Hindernis, dem alle Menschen in irgendeiner Form unterliegen. Es fängt bei den Dialekten innerhalb eines Landes an und endet in den unterschiedlichen Landessprachen anderer Kontinente. Dazu werden die multilingualen Gesellschaften immer größer, schneller und fordernder, wie beispielsweise ein Stadtbummel zeigt. Es fallen Wörter wie Sale, Facebook, likes, bullshit, Coffee to go, Outlet-Store, Electronic Shop, Travel-Shop, Smartphone…. Wenn wir im Alltag genau hinsehen, entdecken wir mindestens 3 verschiedene Sprachen. Da fällt es nicht-behinderten Menschen genauso schwer, eine angemessene Kommunikation aufrecht zu erhalten wie Menschen mit Behinderungen. Dieser Druck ist eine Einschränkung der Lebensqualität und bereitet Probleme im Alltag. Diese können allerdings schnellstmöglich überwunden werden, z.B. mit Hilfe von Handy-Apps, Wörterbüchern oder anderen Medien.
In unserer Gesellschaft gibt es unter anderem auch Kommunikationsprobleme zwischen nicht-behinderten und behinderten Menschen, aber durch intensive Förderung und Motivation kann ein behinderter Mensch diese Barriere überwinden. Das Verständigungsproblem kann zum Beispiel mit einem Sprachcomputer, dem „Talker“, deutlich reduziert werden.
In unserer Einrichtung lebt eine Klientin, die ein solches Gerät verwendet. Sie gewann dadurch an Selbstsicherheit, Selbstwertgefühl und auch ihre psychische Stabilität verbesserte sich. Frau X. kann sich ohne die unterstützte Kommunikation nur durch ihre Mimik und Gestik anderen Menschen mitteilen. Zusätzlich ist sie durch eine Sehschwäche stark beeinträchtigt.
Der Umgang mit diesem Gerät gestaltete sich zunächst schwierig und musste mühsam geübt und erprobt werden, da viele Einzelschritte notwendig waren, um ein Verständnis und die benötigten kognitiven Fähigkeiten auszubilden und zu fördern. Jedoch nahm die Klientin das Gerät sofort an und war sehr interessiert. Sie konnte ihn in jedem Lebensbereich nutzen und selbstbestimmt handeln. Der Computer ist mit einem Touchscreen ausgestattet und kann darüber gesteuert werden. Es gibt die Möglichkeit, den „Talker“ über die schriftliche Eingabe zu steuern oder durch entsprechende Symbole. In diesem Fall wird mit Bildern und Icons gearbeitet, die sie auswählt, um eine Äußerung zu erzeugen.
Klienten, die lesen und schreiben können, nutzen häufig ebenfalls diese Form der Kommunikation vorrangig. Dies liegt nicht nur daran, dass viele über keine Schriftsprachkenntnisse verfügen, sondern ist auch dadurch bedingt, dass die Kommunikationsgeschwindigkeit erhöht wird, wenn nicht jedes Wort buchstabiert werden muss.
Selbstverständlich kann man den „Talker“ auch durch Worteingebungen präzisieren. Wenn die Bewohnerin etwas äußern möchte, drückt sie auf das entsprechende Symbol, und der Computer formuliert klar und deutlich ihre Aussage. Der Wortschatz des Computers kann unbegrenzt genutzt und neue Wörter hinzugefügt werden - je nachdem, wie die kognitiven und intellektuellen Fähigkeiten vorhanden sind. Die Klientin nutzt den Sprachcomputer in Bereichen, wie beispielsweise in der alltäglichen Lebensführung, in der Gestaltung sozialer Beziehungen, bei der Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben etc. Diese Bereiche können spezifiziert bzw. reduziert werden.
Der „Talker“ ist zu einem vertrauten Hilfsmittel geworden. Nach und nach lernt sie, mehr Wörter auf ihrem Gerät zu bilden und das zu sagen, was sie denkt. Dadurch gelingt es ihr selbständig, in Kontakt zu anderen Menschen zu kommen, wie es ihr sonst so niemals möglich gewesen wäre.

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