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Ein großer Schritt zurück in ein selbstständiges Leben

05.03.2021 · 08:53

PDF - Ein großer Schritt zurück in ein selbstständiges Leben

David Gärtner, ein junger Mann mit erworbener Hirnschädigung, hat sich dank Integra, einer Dienstleistung der Stiftung Scheuern, sehr positiv entwickelt.

„Ich kann nicht klagen“, sagt David Gärtner und schmunzelt, wohlwissend, dass er vermutlich gerade die Untertreibung des Jahres zum Besten gegeben hat.
Denn seitdem der junge Mann von Integra betreut wurde, machte er große Fortschritte – so große, dass er nun den Schritt in ein noch selbstständigeres Leben wagen konnte und seit Kurzem wieder zu Hause lebt.

Was war passiert?
Kurz vor seinem 17. Geburtstag erlitt David Gärtner bei einem Sturz vom Fahrrad eine schwere Hirnschädigung, lag drei Wochen lang im Koma und kämpfte um sein Leben. Danach regenerierte er sich körperlich zwar ziemlich schnell, verhielt sich aber sehr aggressiv.
Nach der medizinischen Rehabilitation war er in einem Pflegeheim in Brandenburg untergebracht. Doch seiner Mutter war schnell klar, dass er in seiner besonderen Situation als junger Mensch mit erworbener Hirnschädigung nicht dorthin gehörte. Sie stieß auf Integra – Chancen für Menschen mit erworbener Hirnschädigung, eine Dienstleistung der Stiftung Scheuern. 2015 zog David Gärtner als einer der ersten Bewohner in das neu eröffnete Elmar-Cappi-Haus ein, das Integra speziell für diese Zielgruppe in Bad Ems betreibt.

Dank teils intensiver Hilfen gelang es ihm, sein aggressives Verhalten deutlich zu reduzieren. Auch körperlich ging es dank der logopädischen, aber auch physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Angebote im Elmar-Cappi-Haus weiter bergauf mit ihm.

Da er dank dieser Erfolge nach einer gewissen Zeit nicht mehr auf die 24-Stunden-Betreuung im Elmar-Cappi-Haus angewiesen war, zog er im September 2019 nach einem vierwöchigen Probewohnen in den Wohnverbund Wilhelmsallee, den die Stiftung Scheuern ebenfalls in Bad Ems vorhält. Dort habe er weitere Fortschritte gemacht, erzählt Dorota Kuczera-Barzideh, Mitarbeiterin des Wohnverbunds: „Er wurde noch selbstständiger, hielt sein Zimmer topp in Schuss, machte sehr gerne bei den Kochangeboten mit und war sehr hilfsbereit gegenüber seinen Mitbewohnern.“
Therapeutische Angebote nutzte David Gärtner weiterhin, unter anderem nahm er zweimal wöchentlich Physio- und einmal pro Woche die Ergotherapie in Anspruch. „Ich wurde in dieser Zeit viel mobiler“, berichtet er. So ging er zu Fuß zu seiner Arbeitsstelle im Montage- und Dienstleistungszentrum der Stiftung Scheuern, anstatt wie früher mit dem Bus zu fahren. Und: Er trieb regelmäßig Sport, was seiner Fitness ebenfalls zugutekam.

Auch wenn überschwängliche Worte nicht so die Sache des 24-Jährigen zu sein scheinen, merkt man ihm deutlich an, dass er sich bei Integra sehr wohlfühlte. Trotzdem hat er Bad Ems inzwischen verlassen und ist zurück zu seiner Mutter nach Eschborn gezogen.
Der Entschluss dazu reifte, als er Corona-bedingt drei Monate lang wieder bei ihr wohnte – und beide feststellten, dass sich dank der Betreuung durch Integra so viel zum Positiven hin
verändert hatte, dass nun der nächste Schritt zurück in das vor dem Unfall gewohnte Leben möglich war.

Um ihren Sohn wieder bei sich aufzunehmen, machte es Teresa Gärtner allerdings zur Bedingung, dass er eine Arbeitsstelle in der Nähe von Eschborn bekam. Auch in diesem Punkt fanden die beiden tatkräftige Unterstützung bei Integra: Case Managerin Michelle Reßmann vermittelte David Gärtner einen Praktikumsplatz in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Frankfurt. Das zweiwöchige Praktikum verlief ausgesprochen erfolgreich, beide Seiten waren sehr angetan von der Zusammenarbeit. In einem Folgegespräch kam man deshalb überein, dass David Gärtner auch auf Dauer in der Werkstatt arbeiten würde.

Die logische Konsequenz: Der junge Mann kündigte seinen Wohnplatz bei der Stiftung Scheuern. Sicher: Die Entscheidung, sich von seinem gewohnten Umfeld zu trennen, fiel ihm nicht leicht. Aber jetzt freut er sich enorm über den Neuanfang und darüber, ein noch selbstständigeres Leben führen zu können.

 

David Gärtner
Dank der guten Fortschritte, die David Gärtner bei Integra gemacht hat, kann er jetzt wieder zu Hause leben.

Quelle: Ulrike Bletzer, Kommunikation und Fundraising, Stiftung Scheuern;
www.stiftung-scheuern.de

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